Aus der Kirchgemeinde
Rückblick Workshop "Projket Kirchgemeindehaus"
Zuerst die Bedürfnisse, dann die Pläne
Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Obfelden denkt über einen Neubau ihres Kirchgemeindehauses nach. An einem Workshop vom 1. September 2026 haben 15 Mitglieder gesagt, was sie von neuen Räumen erwarten. Das Ergebnis fällt deutlicher aus, als man vermuten würde.
Warum das Thema jetzt auf dem Tisch liegt
Das heutige Kirchgemeindehaus ist hübsch, im Alltag aber unpraktisch. Der Raum im Erdgeschoss misst rund 35 Quadratmeter, er lässt sich kaum unterteilen, und die Akustik ist so schlecht, dass beim Chilekafi an vollen Tischen kaum ein Gespräch möglich ist. Dazu kommt ein schlecht isoliertes Gebäude mit einer Liste anstehender Unterhaltsarbeiten.
Die zweite Motivation ist unangenehmer. 2010 gehörten 1732 Obfelderinnen und Obfelder zur reformierten Kirche, das waren 37 Prozent der Bevölkerung. 2025 sind es noch 1463 Personen oder 24 Prozent, und dies bei deutlich gewachsener Einwohnerzahl. Wird der Trend fortgeschrieben, sinkt der Anteil bis 2035 auf 15 Prozent. Weniger Mitglieder bedeuten weniger Stellenprozente. Ohne Sonderregelung des Kantons bleibt der Kirchgemeinde in der nächsten Legislatur noch eine Pfarrstelle von 70 Prozent.
Was die Machbarkeitsstudie zeigt
Hansjörg Schneebeli stellte zu Beginn die Machbarkeitsstudie vor. Sie sieht einen Ersatzneubau vor. Im Erd- und im Untergeschoss entstünden rund 280 Quadratmeter Nutzfläche für die Kirchgemeinde, darunter ein unterteilbarer Mehrzweckraum von rund 140 Quadratmetern, eine Küche, ein Büro, ein Jugendraum und die WC-Anlagen.
In den Obergeschossen sind neun Wohnungen geplant. Die Baukosten liegen in der Grössenordnung von sechs bis sieben Millionen Franken, das Land gehört der Kirchgemeinde bereits. Die Mieteinnahmen sollen den Bau tragen und darüber hinaus helfen, die Stellenprozente auf dem heutigen Niveau zu halten.
Kritische Fragen gehören dazu
Die Fragerunde war offen und kritisch, und das war so gewollt. Wo finden Unterricht und Angebote während der Bauzeit statt? Wie verträgt sich eine Mieterschaft mit Anlässen und dem Lärm, der dazugehört? Sind die Personalkosten für eine Immobilienverwaltung eingerechnet?
Mehrere Voten hielten fest, dass zuerst geklärt sein muss, wie die neuen Räume gefüllt werden, bevor gebaut wird. Ein ausführliches Votum wies darauf hin, dass aus der Kirchenordnung nicht hervorgeht, ob eine Kirchgemeinde mit Wohnungen Vermögen und Stellen finanzieren darf, und dass mit Einsprachen aus der Nachbarschaft zu rechnen ist.
Der Gegenvorschlag: das bestehende Haus sanieren und den Raumbedarf aus Betriebskonzepten ableiten. Auch eine vorgängige Umfrage zeigt ein geteiltes Bild. Von 15 Rückmeldungen waren drei befürwortend, drei ohne Meinung und neun ablehnend. Genau deshalb stand der Abend nicht unter der Frage «bauen oder nicht», sondern unter der Frage nach den Bedürfnissen.
51 Karten und 157 Klebepunkte
Der Hauptteil des Abends gehörte dem Sammeln. Entlang von vier Leitfragen schrieben die Teilnehmenden ihre Ideen auf farbige Karten, blau für Ideen und Aktivitäten, grün für Räume, gelb für Einrichtungen. Danach wurde mit Klebepunkten priorisiert. Am Ende hingen 51 Karten an den Flipcharts, 157 Klebepunkte waren verteilt, und die Auswertung fasste alles zu 34 Themen zusammen.
Der rote Faden
Ein Wunsch schlägt alles. Flexibel nutzbare Räume ohne fixe Zuteilung erhielten 19 der 39 Raumpunkte, und bei den Einrichtungen holte das Gegenstück dazu, eine minimale und flexible Grundausstattung, 13 Punkte. Die Botschaft ist eindeutig: nichts fix zuteilen, alles mehrfach nutzbar. Bei den Ideen führen generationenübergreifende Aktivitäten und «Kirche Kunterbunt» mit je 14 Punkten.
Auffällig ist, wie stark Begegnung ums Essen und Trinken kreist. Chilezmorge, Chilekafi, Apéros, Familientreffen und das Zusammensein nach einer Beerdigung ergeben zusammen 18 Punkte. Dazu passt die Gastroküche mit 12 Punkten, sie ist die Voraussetzung für fast alle Spitzenideen. Gesetzt ist auch der Aussenraum mit 9 der 39 Raumpunkte. Weiter genannt wurden Angebote für Menschen ab 50, ein Erzählcafé, ein Repair-Café und Unterrichtsräume für alle Altersstufen.
Ein Votum aus der Diskussion bringt es auf den Punkt: Die Kirche lebt von Beziehungen. Ob die Räume alles können oder ob sie mit wechselnden Angeboten gefüllt werden, ist demgegenüber zweitrangig.
Wie es weitergeht
Das Fazit des Abends war unaufgeregt. Niemand ist grundsätzlich gegen einen Neubau. Es fehlt aber die konkrete Nutzung, und offen bleiben die Finanzierung, die rechtliche Zulässigkeit und die Aufteilung zwischen Finanz- und Verwaltungsvermögen. Diese Fragen nimmt die Begleitgruppe in die Planungsphase mit. Der Abend hat vor allem eines gezeigt. Es geht nicht um Quadratmeter, sondern um einen Ort, an dem sich Menschen wieder zu Hause fühlen.
Leitung des Workshops: Simon Böhlen. Fachinputs: Hansjörg Schneebeli. Protokoll: Samantha Böhlen.
Begleitgruppe: Markus Hogenschurz und Jasmin Sennhauser.
Projekt "mir alli sind Chile"
Im Sommer 2017 hat sich die Kirchgemeinde Obfelden entschieden, sich nicht am Prozess KG+ - der einen Zusammenschluss aller Säuliämtler Kirchgemeinden vorsieht - zu beteiligen. Stattdessen hat sich die Kirchgemeinde Obfelden auf den Weg zu einem eigenen Entwicklungs- und Erneuerungsprozess unter dem Motto "mir alli sind Chile" gemacht. Seither sind zahlreiche Arbeitsgruppen daran, das Leben in der Kirchgemeinde aktiv mitzugestalten. Mehr Informationen hier. Informationen zu Kirchgemeinde+ finden Sie unter www.ref-knonaueramt.ch.
Kirchgemeindeordnung
Hier finden Sie die neue Fassung der Kirchgemeindeordnung.